24 Works

Demokratie und Dramaturgie. Über den Zufall in Some use for your broken clay pots

Géraldine Boesch
Der Schweizer Installations-, Video- und Performancekünstler Christophe Meierhans legt mit Some use for your broken clay pots (2013) einen Gegenentwurf zur gängigen Demokratiepraxis vor: Politiker_innen werden nicht wegen ihrer (Wahlkampf-) Versprechen gewählt, sondern können aufgrund ihrer Amtsführung jederzeit von den Bürger_innen abgesetzt werden. Es handelt sich bei diesem Prinzip der 'Disqualification' um eine Verkehrung der repräsentativen Demokratie, in der Politiker_innen für eine bestimmte Dauer aufgrund ihres Partei- oder Wahlprogrammes in ein Amt gewählt werden. Meierhans'...

Le rendez-vous de l’amitié? Festivals de théâtre et politique du global

Ulf Otto
What might playgrounds of globality look like? How do performances within these fields avoid parading the ›Other‹ and how do they challenge the exoticising gaze? Is it possible to steer clear of the political and economic pitfalls of global exchange whereby artists, curators and audiences are inevitably transformed into buyers and sellers? Mightn’t the notions of globality, symmetry, and the world-as-playground themselves be considered as helping veil the radical contradictions each form of global interaction...

Einspruch oder Worin besteht die Möglichkeit des Politischen auf dem Theater? Zum Verhältnis von Politik und Theater in der Performance Fight Night von Ontroerend Goed und The Border Project

Frank Max Müller
Die Performance Fight Night, eine Kooperation zwischen der belgischen Gruppe Ontroerend Goed und dem australischen Ensemble The Border Project, versteht sich laut Ankündigungstext als "playful and immersive political exploration [...] thoroughly political, but never explicitly so. [...] By stripping their discourse of identifiable political messages, the show draws attention to the very reasons and motivations that compel voters to vote." (AUAWIRLEBEN 2015) Eine fingierte Spielshow, gegeneinander wetteifernde Kandidat_innen und ein per Knopfdruck abstimmendes Publikum geben...

Preface to Volume 2

Géraldine Boesch & Beate Hochholdinger-Reiterer
Mit »Spielwiesen des Globalen« liegt der zweite Band der Reihe itw : im dialog – Forschungen zum Gegenwartstheater vor. Das vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern (ITW) initiierte Format »itw : im dialog« will die bislang punktuell betriebene nationale und internationale Forschung zum Gegenwartstheater bündeln und neue Forschungsperspektiven eröffnen. Mit wissenschaftlichen Symposien und praxisorientierten Workshops, welche seit 2014 am ITW stattfinden, wird der Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und interessierter Öffentlichkeit gefördert. Die Bände der...

Le capitalisme comme religion globale. Actes de profanation dans Christophe Meierhans Some use for your broken clay pots

Friedemann Kreuder
Aus der Sicht des italienischen Philosophen Giorgio Agamben in Profanierungen (2005) wurden in der römisch-antiken Gesellschaft diejenigen Dinge als ›heilig‹ oder ›religiös‹ bezeichnet, die auf irgendeine Weise den Göttern gehörten. Sie wurden aus dem freien Gebrauch und dem profanierenden Verkehr der Menschen in eine eigene Sphäre abgesondert. Unter den Vorzeichen des Gesellschaftssystems des globalen Spätkapitalismus stellt sich die Frage nach einer solchen Absonderung neu und anders, da Letztere umfassend und omnipräsent geworden ist. In besagtem...

AUAWIRLEBEN 1983–2015. Von der Gastspielreihe zum Theaterfestival Bern

Michael Graber
Das ›AUA‹ wirkt und lebt als fester Begriff in der Freien Szene der Bundesstadt Bern. Denn ›AUA‹ ist eben nicht bloß ein Ausdruck für ein im Bereich des Erträglichen liegendes Schmerzempfinden. Für einen Kreis von Interessierten ist ›AUA‹ das gängige Kürzel für eine Veranstaltungsreihe, die seit mehr als 30 Jahren eng mit der Lebensader des Berner Theaterschaffens verbunden ist und jedes Jahr einen bunten Strauß aus dem großen, internationalen Feld des freien Gegenwartstheaters in die...

Kunstrealität im abgesicherten Modus. Das ›feature theatre piece‹ TO BREAK – The Window of Opportunity von Robbert&Frank/Frank&Robbert

Anna Volkland
Die beiden jungen, miteinander seit zehn Jahren befreundeten Belgier Frank Merkx und Robbert Goyvaerts alias Robbert&Frank/Frank&Robbert sind keine Theatermacher, aber sie erforschen am Theater- und Kunsthaus CAMPO in Gent genau das: Theater(machen), anders als gewohnt. Der auf der Homepage des Duos auftauchende Begriff ›feature theatre‹ – in diesem Fall sicher treffend übersetzbar mit dem eher anachronistisch anmutenden ›Zeige- und Schau-Theater‹ – bezeichnet somit für ihre aktuelle Arbeit TO BREAK – The Window of Opportunity (2014)...

Vergessen ›in Szene‹ setzen? Überlegungen zu Tom Struyfs Vergeetstuk

Aline Vennemann
"Was in Erinnerung bleiben soll, bedarf der Konsolidierung durch wiederholtes Durchdenken und Durchfühlen desselben Ereignisses." (Welzer 2011:234) Exakt diese Behauptung wird in Vergeetstuk (2014) exemplifiziert. Dort wird nicht nur über Gedächtnislücken und ihre Konsequenzen verhandelt, sondern gezeigt, wie das Gedächtnis arbeitet und wie Erinnerung entsteht. Paradoxerweise greift der belgische Künstler Tom Struyf für die Inszenierung von solchen Prozessen auf Verdrängungsmechanismen und das Krankheitsbild der Amnesie zurück. »A good memory needs to forget«, belehrt uns zu...

Visionieren, Kuratieren, Kanonisieren

Beate Hochholdinger-Reiterer & Géraldine Boesch
Podiumsdiskussion mit Barbara Gronau (Universität der Künste Berlin), Johanna-Yasirra Kluhs & Felizitas Kleine (Theaterfestival FAVORITEN), Giovanni Netzer (Origen Festival Cultural), Jasper Walgrave (Pro Helvetia) und Dagmar Walser (Moderation)

Playgrounds with a History. Concepts and Critiques of Global Performance

Barbara Gronau
La contribution questionne l’interrelation entre les concepts de globalité et les formes de performance qui en résultent. Pour débuter, deux formes de performances culturelles des années 1900 seront au centre du questionnement: la réintroduction des jeux olympiques en 1896 par Pierre de Coubertin – comme symbole de l’inter/nationalisme moderne – et les représentations des hégémonies coloniales connues en tant que Berliner Gewerbeschau. Il sera montré comment les relations modernes économiques, sociales et culturelles s’inscrivent dans...

Of Voices and Votes

Beate Hochholdinger-Reiterer & Géraldine Boesch
A Group Discussion with Alexander Devriendt (Ontroerend Goed) on the Performance Fight Night

Performative ErMittlung von Meinungen und Positionen auf den Spielwiesen des Globalen. Überlegungen zu Fight Night von Ontroerend Goed und The Border Project

Annika Wehrle
"It has often been said that you can’t have a show without an audience and tonight that is more true than ever. Because tonight we will not only need your eyes and ears but at the center of everything will be your voice." Diese Aufforderung, das szenische Geschehen durch Stimmabgabe mitzulenken, läutet das performative Wortgefecht Fight Night (2013) ein, eine global tourende Koproduktion von Ontroerend Goed und The Border Project. Fünf Kandidat_innen steigen in den...

Das Zürcher Theater Spektakel 1980–2015. Der Mikrokosmos auf der Landiwiese

Myrtha Bonderer, Selina Beghetto & Noemi Schai
Wen es während der letzten zwei Augustwochen auf die Zürcher Landiwiese verschlägt, der betritt eine andere Welt: Riesige Zirkuszelte, kulinarische Düfte aus aller Welt, kleine und große Bühnen, Gaukler_innen und Straßenkünstler_innen und Jahr für Jahr verschiedene Installationen und Bauten empfangen die Besucher_innen des Zürcher Theater Spektakels. »Zürichs fünfte Jahreszeit« (Zürcher Theater Spektakel 1998) ist längst zur sich stets wandelnden und geliebten Tradition geworden. In der Festivalzeit erleben die einen außergewöhnliche Theatermomente, die anderen trinken im...

What I say is who I am? Anmerkungen zu # 6 – Queer Sells von White on White

Johannes Kup
Wie gelingt es weißen Subjekten, ihre Hegemonie auf den Spielwiesen und Kampffeldern des Globalen immer wieder zu behaupten? Der Berliner Regisseur Johannes Schmit und der Malmöer Schauspieler Iggy Malmborg, die sich als Performanceduo White on White bereits seit einigen Jahren mit Aspekten der Critical-Whiteness-Forschung befassen, stellen sich diese Frage ganz konkret – nämlich in Bezug auf sich selbst: Wie kann ein weißes, männliches Künstlerduo auf dem heutigen Kunst- und Theatermarkt noch bestehen, auf dem diese...

Ein Ausweg aus der ›weißen Komplizenschaft‹? Zur Performance #6 – Queer Sells von White on White

Hanna Voss
Der Terminus ›White on White‹, welcher dem Titel des bekannten Gemäldes von Kasimir Malewitsch (1918) entlehnt ist, bezeichnet hier sowohl die künstlerische Beziehung der beiden Performer Iggy Malmborg aus Malmö und Johannes Schmit aus Berlin als auch deren Performanceserie (vgl. White on White 2015). Während die Radikalität von Malewitschs Gemälde für die Zeitgenossen in der geometrischen Abstraktion ohne Referenz auf eine äußere Wirklichkeit bestand (vgl. anonym 2003:85) – auf der quadratischen Leinwand ist lediglich ein...

Memory Construction

Serge Honegger
A Group Discussion with Tom Struyf and Geert De Vleesschauwer on Vergeetstuk

Quantifying, Exchanging, Circulating. Relations of Equivalence and Value in Contemporary Theatre

Miriam Drewes
Contemporary theatre is becoming increasingly project-related. Following a re-contextualisation of the term ›economics‹, this paper will discuss the logic underlying the quantification, exchange and circulation of theatre, an art form which defies any conventional conception of the exchange of goods: Which economic notions of value correlate with or differ from specific aesthetic concepts? Do relations of equivalence exist between specific structures of production and the aesthetics generated by them? Do these developments support or subvert...

Tönerner Ernst – Demokratie als Fiktion

Ellen Koban
Ein Gespräch mit Christophe Meierhans und Friedemann Kreuder (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) zu Some use for your broken clay pots

Ökonomien im Zirkulationsfeld Theaterfestival

Anne Bonfert
Die Theaterwissenschaftlerin Barbara Gronau diagnostiziert im Abgleich mit den Kolonialausstellungen des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die vor allem auf eine Vorführung von Differenz zielten, für die Jetztzeit einen »globalisierte[n] Diskurs des Kuratierens« (Gronau 2015:54). Dieser sorge dafür, »dass auf Tagungen dieselben Aufführungsbeispiele gezeigt« (ebd.) würden, aus denen sich zunehmend ein gemeinsamer ästhetischer Kanon bilde. Gronau konstatiert, das Fachpublikum, bestehend aus Forscher_innen, Kurator_innen und Theatermacher_innen, trage zu dieser Entwicklung bei, indem es sich vor...

Missverstehen als produktive Kraft

Géraldine Boesch & Beate Hochholdinger-Reiterer
Ein Gespräch mit Max-Philip Aschenbrenner (Asian Arts Theatre) und Ulf Otto (Universität Hildesheim)

Einladung zum Widerspruch. Publikumspartizipation in Some use for your broken clay pots von Christophe Meierhans

Simone Niehoff
In der Lecture Performance Some use for your broken clay pots stellt der Schweizer Künstler Christophe Meierhans ein alternatives demokratisches System vor. Seiner Präsentation liegt eine ausgearbeitete Verfassung mit 350 Artikeln zugrunde. Meierhans fordert zur Diskussion seines politischen Entwurfs auf und das Publikum folgt seiner Einladung mit großer Dialogbereitschaft. Die schiere Anzahl der Wortmeldungen wie auch die detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung der Zuschauer_innen mit Meierhans' Verfassung überrascht. Wie gelingt es der Performance, eine solch intensive und...

Crossing Borders

Franziska Burger
An Interview with Cristina Galbiati (TricksterP, Novazzano) on Sights

Ein Ding unter vielen. Robbert&Frank/Frank&Robberts Theaterinstallation TO BREAK – The Window of Opportunity

Franziska Burger
Eine Bühne, so karg wie die Prärie im Mittleren Westen der USA. Lediglich ein Hintergrundprospekt ist zu sehen, auf dem ebendiese Landschaft aufgemalt ist. Doch diese suggerierte Einöde trügt, denn auf den zweiten Blick sind neben Cowboys und Indianern auch eine Sphinx, Skulpturen von der Osterinsel und gar fliegende Wale zu entdecken. Das Bühnenbild von TO BREAK – The Window of Opportunity (2014) deutet es bereits an: In dieser Performance ist nichts so, wie es...

Das Spiel mit der neoliberalen Marktlogik

Johanna Hilari
Ein Gespräch mit Martin Schick (Schick/Gremaud/Pavillon) zu X Minutes. Durational Comedy

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