26 Works

Lust und Leiden in Tolstojs «Anna Karenina»

Erich Bryner
Das Thema «Lust und Leiden» ist ein zentrales Motiv in Tolstojs Anna Karenina: das Leiden Annas in und an ihrer unglücklichen Ehe mit einem wenig empathischen, konservativen und karrierefixierten Angehörigen der Sankt Petersburger Grossbourgeoisie, ihr kurzes, aber von Anfang an fragiles und von zahlreichen Konflikten und Spannungen, tiefgreifenden Krisen und bitteren Leiderfahrungen durchzogenes Glück in der

Editorial

Wolfgang Rother
Die Ringvorlesungen der Privatdozentinnen und Privatdozenten, Titularprofessorinnen und Titularprofessoren der Universität Zürich werden nach der Neuorganisation der Stände von den Fortgeschrittenen Forschenden und Lehrenden der Universität Zürich weitergeführt. Die Beiträge durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren, werden professionell redigiert und lektoriert und in der Zeitschrift conexus auf der Plattform HOPE publiziert.

Die Ringvorlesungen der Privatdozentinnen und Privatdozenten, Titularprofessorinnen und Titularprofessoren der Universität Zürich 1987-2017

Wolfgang Rother
Zwischen 1987 und 2017 haben die Privatdozentinnen und Privatdozenten, Titularprofessorinnen und Titularprofessoren der Universität Zürich achtzehn Ringvorlesungen gehalten. Nachfolgend werden die Vorlesungen auf der Grundlage der publizierten Beiträge verzeichnet.

Vorwort

Wolfgang Rother & Josette Baer
Nicht Lust oder Leiden, sondern Lust und Leiden: Die vorliegende erste Nummer von conexus enthält Aufsätze, die das Thema aus philosophischer, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher, historischer und politischer, kulturanthropologischer und medizinischer Perspektive beleuchten.

Vom Frust zur Lust in der Urologie. Zur Behandlung von Harninkontinenz und erektiler Dysfunktion

Hubert John & Philipp Maletzki
Harninkontinenz und erektile Dysfunktion sind nach wie vor Tabuthemen, die nicht gerne verbalisiert werden. Sie gehen mit Schamgefühl, Unwohlsein und Unsicherheit einher und werden daher nicht gern in der Öffentlichkeit, im Privaten oder auch beim Arztbesuch angesprochen. Aus urologischer Perspektive werden die unterschiedlichen – konservativen, medikamentösen, apparativen und operativen – Therapiemethoden diskutiert.

Goethes «Trilogie der Leidenschaft»

Ulrike Zeuch
In einer biographisch-philologischen Lektüre von Goethes Trilogie der Leidenschaft (1827) wird die dichterische Verarbeitung von Leiderfahrungen als mögliche Strategie ihrer Bewältigung untersucht. Wegleitend sind dabei die in Psychoanalyse und Literaturwissenschaft diskutierten Fragen, wie ein Mensch in der Retrospektive ein angemessenes Verhältnis zu eigenem Leid entwickeln kann, ob und wie es Goethe gelingt, durch die literarische Verarbeitung von persönlichen Enttäuschungen und Verletzungen zu einer versöhnlich-souveränen Haltung zur eigenen Vergangenheit zu gelangen, welches die ad­äquate Form der...

Leiden und «Lust» in der Fremdenlegion

Christian Koller
Den harten Kern der französischen Streitkräfte bildeten die Söldner der Fremdenlegion, deren Leiden und «Lust» in ihren unterschiedlichen Facetten aus einer auf Selbstzeugnissen basierenden Alltags- und Innenperspektive untersucht werden. In Bezug auf das Leiden waren die Legionäre Opfer und Täter. Einerseits wurden sie schikaniert, unterlagen einem drakonischen Disziplinar- und Strafsystem und litten nicht nur physisch, sondern auch psychisch - die meisten Legionäre erlebten depressive Anfälle. Andererseits waren sie als Täter in Folter, Massaker und andere...

Politik und Mode in der sozialistischen Tschechoslowakei

Josette Baer
In einer kultur- und sozialgeschichtlichen, mit zahlreichen Abbildungen illustrierten Studie werden die vielfältigen politischen Einflüsse auf die Mode, das Frauenbild und den life style in den Epochen des Stalinismus, der Entstalinisierung und der Zeit nach dem Prager Frühling untersucht. Mode war im Kalten Krieg stets auch ein identitätsstiftendes Moment des politisch-sozialen Systems. In der systemvergleichend angelegten Studie werden am Leitfaden der amerikanischen Modezeitschrift Vogue auf der einen Seite und tschechoslowakischen Frauenzeitschriften und Werbeplakaten auf der...

Otto Dix – der Künstler, der alles sehen wollte. Der Blick auf Leiden und Lust in der Neuen Sachlichkeit

Barbara Von Orelli-Messerli
Exemplarisch für den Blick der Neuen Sachlichkeit auf Lust und Leiden sind drei Gemälde von Otto Dix, in denen das Leiden der Menschen im Ersten Weltkrieg thematisiert wird: die beiden Gemälde Kriegskrüppel (1920) und Schützengraben (1923), die schon in der Weimarer Zeit als antipatriotisch und dann von den Nationalsozialisten als wehrkraftzersetzend diffamiert wurden und seit der Münchener Ausstellung Entartete Kunst von 1937 verschollen sind, sowie das Triptychon Der Krieg (1929/1932), das Otto Dix vor der...

conexus 1/2018: Lust und Leiden

Wolfgang Rother & Josette Baer
Die erste Nummer von conexus enthält Aufsätze, die das Thema «Lust und Leiden» aus philosophischer, literaturwissenschaftlicher und kunstgeschichtlicher, historischer und politischer, kulturanthropologischer und medizinischer Perspektive beleuchten.

Zur Ontologie von Lust und Leiden

Wolfgang Rother
Was im Folgenden versucht wird, ist eine grobe Skizzierung der komplexen Grundstrukturen und Einteilungen von Lust und Leiden. Nach Hinweisen zur Etymologie und Sprachgeschichte werden Lust und Leiden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. In einer semantisch-sprachanalytischen Annäherung wird untersucht, welche Empfindungen wir haben, wenn wir in verschiedenen Kontexten und Situationen von Lust und Leiden sprechen. Dabei werden die unterschiedlichen Gestalten und Facetten dieser Empfindungen thematisiert. Schliesslich werden der ontologische Status sowie das ontologische Ineinander-verschlungen-sein von Lust...

Lust und Schmerz als sexuelle Konzepte? Warum es im vormodernen China keinen Sadomasochismus gab

Marc Winter
In der altchinesischen philosophischen und erotischen Literatur finden sich offenbar keine sexuellen Konzepte, die sich als sadistisch oder masochistisch deuten lassen. Der Sadomasochismus war im vormodernen China, auch wenn er gelegentlich praktiziert worden zu sein scheint, keine signifikante sexuelle Vorliebe. Allerdings kannte das alte China durchaus die Verbindung von Lust und Schmerz, und zwar in der konfuzianischen Kindespietät, die in der Kaiserzeit als höchste Tugend galt und in teilweise bizarren Geschichten exem­plifiziert wurde.

Jesus, Nietzsche und Trump. Wahrheit, Irrtum und Lüge in Religion, Philosophie und Politik

Matthias Neugebauer
Erkenntnisse im Sinne von wahren Erkenntnissen und Irrtümer im Sinne von nachweislich irrtümlichen oder irreführenden Behauptungen gibt und gab es in der Theologie, in der Philosophie und in der Politik. Für die genannten drei Bereiche stehen die Namen Jesu, Nietzsches und Trumps. Donald Trump und die mit seinem Namen verknüpften «alternative facts» beziehungsweise «fake news» stehen für einen Politikstil, bei dem die Grenzen zwischen Wahrheit, Irrtum und Lüge fatal verschwimmen. Dabei erinnert an Trumps Gebaren...

Eine Frage der Relation. Praktisch-theologische Annäherungen an die Frage nach Irrtum und Erkenntnis

Sabrina Müller & Jasmine Suhner
Ausgehend vom biblischen Schöpfungsmythos als einer archetypischen Erzählung, die auf menschlicher Erkenntnis über den Menschen gründet und zugleich die menschliche Erkenntnis- und Irrtumsfähigkeit selbst zum Thema hat, kristallisiert dieser Essay wesentlich zwei «Erkenntnisse» heraus: Zum einen jene über eine theologische Hermeneutik der Erkenntnis, die in spezifischer Weise als Beziehungsgeschehen und Perspektivenfrage charakterisiert wird. Zum anderen jene über theologische Tätigkeit und Erkenntnisfähigkeit, die vor dem Hintergrund eines weiten Theologieverständnisses und eines diskursiven Religionsbegriffs als ein hermeneutisch...

Jesus, Nietzsche und Trump. Wahrheit, Irrtum und Lüge in Religion, Philosophie und Politik

Matthias Neugebauer
Erkenntnisse im Sinne von wahren Erkenntnissen und Irrtümer im Sinne von nachweislich irrtümlichen oder irreführenden Behauptungen gibt und gab es in der Theologie, in der Philosophie und in der Politik. Für die genannten drei Bereiche stehen die Namen Jesu, Nietzsches und Trumps. Donald Trump und die mit seinem Namen verknüpften «alternative facts» beziehungsweise «fake news» stehen für einen Politikstil, bei dem die Grenzen zwischen Wahrheit, Irrtum und Lüge fatal verschwimmen. Dabei erinnert an Trumps Gebaren...

Literatur und Wahrheit - Fluchtgeschichten

Ulrike Zeuch
Wieso noch einmal dieses Thema? Ist nicht längst schon alles gesagt? Dass die Dichter zu viel lügen, so Platon in seinem utopischen Entwurf des besten Staates, der «Politeia», dass die Dichter sich an das Wahrscheinliche, den «Common Sense», das Realistische, zu halten haben, so Horaz in seiner «Ars poetica», um glaubwürdig zu sein, dass die Fiktion auch wahr ist, so Bodmer und Breitinger im 18. Jahrhundert, und und und … Wieso also noch einmal dieses...

Tarski and the intricacies of reasoning under uncertainty

Henriette Haas, Manja Djordjevic & Ann Van Ackere
Anhand eines äusserst schwer zu lösenden Problems haben wir in einer mehrjährigen Studie untersucht, wie kriminalistische Interpretation unter den Bedingungen vollständiger Unsicherheit von 259 Teilnehmern praktisch durchgeführt wurde. Einfache Interpretationsheuristiken, die sich vage am Theorem von Tarski orientieren, das heisst der Korrespondenz der Fakten mit der Hypothese, können leicht in die Irre führen. Scheinbar gut passende Hypothesen können falsch sein (false positives), und Hypothesen, die dem Substrat klar widersprechen, können trotzdem der Grundwahrheit sehr nahe...

«Learning and Confirming» in Pharmaforschung und -entwicklung. Von Sackgassen und Durchbrüchen

Thomas D Szucs & Tämer El Saadany
Louis Shreiner prägte den Begriff «Learn and Confirm», um die Trennung von Früh- und Spätphase der Medikamentenentwicklung zu bezeichnen. Frühe oder «Lern»-Phasen dienen der Charakterisierung des Medikaments. Die Beschreibung der Dosis-Wirkung, das Testen von Biomarkern und die Patientenauswahl sind die Ziele der frühen Phasen. Die späten Phasen, für Wirksamkeit und Sicherheit, sind zur Bestätigung, weil sie teuer und langwierig sind. Tritt das Lernen von Arzneimitteleigenschaften noch in einer späten Phase auf, besteht ein hohes Risiko...

Irrtum, Erkenntnis und Interessen. Die Erinnerung an den schweizerischen Landesstreik zwischen Geschichtswissenschaft und Memorialpolitik

Christian Koller
Die drei Tage des Landesgeneralstreiks vom November 1918 gelten als grösste innenpolitische Krise des Schweizer Bundesstaats. Zugleich war und ist ihre Interpretation Gegenstand geschichtspolitischer Kontroversen, die einen zuverlässigen Spiegel der politischen Kultur unseres Landes bilden. Das Wesen des Ereignisses war von Beginn weg umstritten: Während die bürgerliche Seite einen von Moskau gesteuerten Umsturzversuch sah und linksradikale Stimmen das Unvermögen der Streikführer zu einer Revolution beklagten, verwies die sozialdemokratische Seite auf die innenpolitischen und wirtschaftlichen Ursprünge...

Irrtum und Vergebung. Gedanken zu Dostojewskis «Grossinquisitor»

Erich Bryner
Der «Grossinquisitor» gehört zu den berühmtesten Texten Dostojewskis. Der westlich gebildete Iwan Karamasow trägt es im Rahmen seiner philosophischen und religionskritischen Darlegungen seinem jüngeren Bruder, dem Novizen Aljoscha, vor. Er erzählt, dass Jesus Christus im 16. Jahrhundert, auf dem Höhepunkt der Inquisition in Spanien, auf die Erde zurückgekehrt, vom Volk erkannt und auf Befehl des Grossinquisitors verhaftet worden sei. Der Grossinquisitor habe Jesus im Gefängnis besucht und ihm die heftigsten Vorwürfe gemacht: Jesus habe mit...

Cholesterin und Atherosklerose - landläufige Irrtümer und wissenschaftliche Erkenntnisse

Isabella Sudano
Der Zusammenhang zwischen Cholesterin und Atherosklerose ist eine der bestbelegten Hypothesen in der Medizin. Genetik, Epidemiologie und Interventionsstudien zeigen, dass hohes Cholesterin zu Atherothrombose führt und umgekehrt LDL-Cholesterinsenkung das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen erheblich reduziert. Nichtsdestotrotz zirkulieren immer noch viele Stereotypen und Behauptungen, die Patienten mit Dyslipidämie verunsichern. So wird beispielsweise der Einfluss der Ernährung und des Lebensstils überschätzt. Heute verfügen wir über fundierte und bessere Kenntnisse der verschiedenen Arten von Cholesterin und seiner Wirkung...

Gottfried Sempers Annäherung an den Salomonischen Tempel

Barbara Von Orelli-Messerli
Zwischen 1838 und 1840 war Gottfried Semper mit der Errichtung der Dresdner Synagoge beschäftigt, einem Bau mit europaweiter Ausstrahlung. Dabei stand der Salomonische Tempel offenbar nicht im Vordergrund – weder als Modell noch als Forschungsobjekt. Erst 1849/50, als Semper im Exil in Paris lebte, begann er mit der Niederschrift der «Vergleichenden Baulehre». In der Inhaltsangabe zu diesem druckfertig ausgearbeiteten, aber nie publizierten Manuskript findet sich ein Hinweis darauf, dass dort ein Kapitel über den Bautypus...

The European Union as mistake - realizations of European unity

Malcolm MacLaren
The European Union (EU) is the latest in a long line of failed attempts at European unity. Motivated by adverse experience, its founders proscribed a political and legal form for ‘Europe’, and their followers have sought to impose order and to effect integration. As predictable as the attempt has been the failure (attested by the frequent, complex, unresolved crises). It is not merely that the circumstances, conditions, and concerns have markedly changed (and continue to...

Ungenaue Erkenntnis? Die Bedeutung von Wahrscheinlichkeit für die medizinische Praxis

Michael Hässig
Robert Kochs Postulate für Kausalität haben ihre Gültigkeit bei singulären Geschehen, das heisst, wenn ein Erreger eine bestimmte Krankheit auslöst, sind diese Postulate anwendbar. Koch wendete seine Postulate bei den Mykobakterien, den Verursachern der Tuberkulose, an. Kochs letztes Postulat, demzufolge der Erreger bei keiner anderen Krankheit vorkommen dürfe, stösst beim heutigen Wissensstand auf Kritik. Die Ursache eines Symptoms lässt sich besser mit den Postulaten erklären, die Austin Bradford Hill auf der Grundlage der Wahrscheinlichkeitstheorie von...

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