14 Works

Archäologie der Aneignung

Stefan Schreiber
Archäologie wird oft als Wissenschaft vergangener materieller Kultur verstanden. Je mehr wir aber versuchen, diese Welt der Dinge zu begreifen, desto komplizierter erscheint sie uns. Die Dinge wehren sich – sie sträuben sich gegen unsere Versuche, sie zu zähmen. Früher waren sie einfach Artefakte. Wir stellten sie her und zerbrachen sie wieder. Sie gehörten uns, waren unsere verlängerten Arme, unsere Werkzeuge, unser materialisierter Wille. Je genauer wir aber hinschauen, desto mehr verschwimmen derartige Vorstellungen. Stattdessen...

Gleichzeitiges und Ungleichzeitiges, Lebensrhythmen und Eigenzeiten in Vergangenheit und Gegenwart – Bemerkungen zur Unbestimmtheitsrelation von archäologischen Zeitbeobachtungen

Ulf Ickerodt
Die chronologische Bewertung des archäologischen Untersuchungsmaterials sowie dessen Deutung gehen eine enge Symbiose ein. Ihr Bindeglied ist das europäische Entwicklungsdenken. Dessen verbreitete Akzeptanz macht archäologische Forschung in seiner heutigen Ausprägung erst möglich. Wegbereiter dieser Form des Zeitverstehens waren geologische, paläontologische und ethnografische Feldbeobachtungen. Insbesondere das ethnografische Präsens wurde auf die menschliche Vor- und Frühgeschichte ausgedehnt. So entstand das Bild der kulturellen Statik der Steinzeit und der sich zur Gegenwart hin beschleunigenden Geschichte. Dieser Gegensatz resultiert...

ZeitSpurenSuchen. Eine Einleitung

Kerstin P. Hofmann & Sabine Reinhold
Forum Kritische Archäologie

Zeit, Erinnerung und Geschichte

Ulrike Sommer
Zeitmessung beruht auf kosmischen Ereignissen, Zeitwahrnehmung kann auch über biologische Veränderungen erfolgen. Die Kontrolle der Zeitmessung ist mit politischer und wirtschaftlicher Macht verbunden. Ob und inwieweit Zeitwahrnehmung gesellschaftlich bedingt ist (lineare vs. zyklische Zeit), ist umstritten. Zeitmessung und Zeitverlaufsvorstellungen sollten hier auseinandergehalten werden. In bestimmten Gesellschaften wird die Erinnerung an die Vergangenheit organisiert und institutionalisiert, zum Beispiel als Geschichtsschreibung. Im zweiten Teil des Artikels diskutiere ich die Verbindung von Artefakten/Monumenten, kollektiver Erinnerung und Geschichtsbewußtsein, sowie...

Entangled Discussions: Talking with Ian Hodder About His Book Entangled Berlin, 14. December 2013

Reinhard Bernbeck, Susan Pollock, Carolin Jauß, Constance Von Rüden, Johannes Greger & Stefan Schreiber
Forum Kritische Archäologie

Schuld haben die Politik und die Geschichte

Mamoun Fansa
Warum ist die Zusammenarbeit zwischen den Museen in Deutschland und den arabischen Ländern so schwierig? Die Antwort ist vielschichtig und stutzt sich auf viele historische Fakten. Es herrschen zwischen Europa und den Ländern des Vorderen Orients sowohl auf politischer als auch auf menschlicher Ebene Misstrauen und Ängste, die aus historischen Ereignissen resultieren. Man muss leider, um die Ressentiments der Bevölkerung und der Verantwortlichen im Kulturbereich im Nahen Osten zu verstehen, weit in die Geschichte der...

Museen und ethische Grundsätze

Susanne Bocher
Der Essay von Stefan Maneval greift einen brisanten und sehr aktuellen Themenkomplex auf: den Umgang mit archäologischen Objekten aus anderen Ländern in Ausstellungen in Deutschland und die Frage der Einbeziehung dieser Herkunftsländer bzw. ihrer Vertreter in die Einordnung und Interpretation der Funde in Hinblick auf historische sowie aktuelle politische und kulturrelevante Themen. Anhand eigener persönlicher Erlebnisse bei den Vorbereitungen zur Ausstellung „Roads of Arabia“ 2012 in Berlin beschreibt der Autor seine Erfahrungen auf diesem Gebiet,...

Uncomfortable, irregular, anarchist: an archaeology of repetition

Leila Papoli Yazdi, Maryam Dezhamkhooy, Omran Garazhian, Mariam Naimi & Arman Masoudi
Do historical processes have the potential of being repeated? This article presents such a possibility by studying two cases in Iran, one from the 1970s and the other from 2009. The political circumstances of contemporary Iran have posed this question: why have the political protests never truly changed the political structure? Why are we repeatedly experiencing dictatorship despite two great political movements over the last century? This article tries to reconsider this issue by interpreting...

Archäologie, Politik und Zensur im Zusammenhang mit der Ausstellung ‘Roads of Arabia‘

Dominik Bonatz
Der Autor demonstriert wissenschaftliche Courage, indem er mit seinem Artikel „Niemand hat die Absicht, einen Aufsatz zu zensieren“ öffentlich Kritik an der Zensur eines im Rahmen der Ausstellung „Roads of Arabia. Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien“ geplanten Katalogbeitrages ubt. Der Katalog erschien als Begleitbuch zu der im Museum fur Islamische Kunst in Berlin im Frühjahr 2012 gezeigten Ausstellung. Mitherausgeber war die Saudische Generalbehörde fur Tourismus und Altertumer, die kurz vor Drucklegung des Kataloges ihr Einverständnis zur...

Niemand hat die Absicht, einen Aufsatz zu zensieren

Stefan Maneval
Am Beispiel der Berliner Ausstellung „Roads of Arabia. Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien“ (Musuem für Islamische Kunst, Frühjahr 2012) diskutiert dieser Essay die Verbindung von archäologischer Wissensvermittlung mit politischen Zielen. Ausgehend von der Zensur eines Aufsatzes für den Ausstellungskatalog durch die saudische Generalbehörde für Tourismus und Altertümer erörtere ich, inwiefern die Ausstellung einen Beitrag zum Machterhalt des saudischen Königshauses lieferte. Der Essay nimmt Bezug auf öffentliche Debatten über die Zusammenarbeit deutscher Kulturinstitutionen mit autoritären Staaten und...

Archäologie als Zeitmaschine: Zur Temporalisierung von Dingen

Undine Stabrey
Wissenschaftlich Neues und gesellschaftlicher Wandel wechselwirken. Die Gegenwart um 1800 verändert Temporalstrukturen ebenso spezifisch wie sie als neue Zeitstruktur selbst die Bildung wissenschaftlicher Erkenntnis erst hervorbringt. Die Zeitgestaltung der sich industrialisierenden Jahrzehnte um 1800 verzeitlicht alle Daseinsbereiche auf neue Weise. Gerade mehr Materialität, die Vervielfältigung und Beschleunigung von Dingen, bringt dabei neue Zeitstrukturen hervor. Das hat auch Auswirkungen auf die archäologische Forschung: Denn in diesen temporalen Konstellationen bildet die Archäologie methodologische Grundmuster, mit denen sie...

Moderne Zeitreisen oder Die performative Aneignung vergangener Lebenswelten

Stefanie Samida
Der Begriff ‚Living History‘, im Deutschen oft als lebendige/wiederbelebte/erlebte Geschichte übersetzt, steht sowohl für populäre Geschichtsrepräsentationen als auch für den Versuch einer emotionalen Aneignung von Vergangenheit. Im Zentrum des Beitrages stehen die ‚Zeitreisenden‘ und ihr Eintauchen in fremde Welten. Nach einer knappen Skizzierung des fachübergreifenden Forschungsfelds schließen sich einige terminologische Bemerkungen bezüglich des Begriffs ‚Living History‘ an. In einem dritten Teil wird dann die Frage verfolgt, mit welchen Mitteln die Akteure meinen, den ‚Zeitsprung‘ herstellen...

Zyklische Abläufe als Hilfsmittel zur Deutung von Zeit in der Archäologie

Eva Rosenstock
Natürliche zyklische Vorgänge, d.h. astronomische Zyklen wie der Sonnentag, der Mondmonat oder das Sonnenjahr oder physiologische Zyklen wie der circadiane Rhythmus oder der Menstruationszyklus, werden oft verwendet, um in archäologischen Funden und Befunden eingebettete Zeitinformation aufzudecken. Die Deutung bestimmter prähistorischer Artefakte als Kalendarien stellt hierfür ein wichtiges Beispiel dar. Neben einer Bevorzugung physiologischer Rhythmen als Analogien für das Paläo- und Neolithikum und astronomischer Rhythmen für die Bronzezeit fällt auf, daß in der Archäologie oft nur...

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