44 Works

Kunstrealität im abgesicherten Modus. Das ›feature theatre piece‹ TO BREAK – The Window of Opportunity von Robbert&Frank/Frank&Robbert

Anna Volkland
Die beiden jungen, miteinander seit zehn Jahren befreundeten Belgier Frank Merkx und Robbert Goyvaerts alias Robbert&Frank/Frank&Robbert sind keine Theatermacher, aber sie erforschen am Theater- und Kunsthaus CAMPO in Gent genau das: Theater(machen), anders als gewohnt. Der auf der Homepage des Duos auftauchende Begriff ›feature theatre‹ – in diesem Fall sicher treffend übersetzbar mit dem eher anachronistisch anmutenden ›Zeige- und Schau-Theater‹ – bezeichnet somit für ihre aktuelle Arbeit TO BREAK – The Window of Opportunity (2014)...

Quantifying, Exchanging, Circulating. Relations of Equivalence and Value in Contemporary Theatre

Miriam Drewes
Contemporary theatre is becoming increasingly project-related. Following a re-contextualisation of the term ›economics‹, this paper will discuss the logic underlying the quantification, exchange and circulation of theatre, an art form which defies any conventional conception of the exchange of goods: Which economic notions of value correlate with or differ from specific aesthetic concepts? Do relations of equivalence exist between specific structures of production and the aesthetics generated by them? Do these developments support or subvert...

AUAWIRLEBEN 1983–2015. Von der Gastspielreihe zum Theaterfestival Bern

Michael Graber
Das ›AUA‹ wirkt und lebt als fester Begriff in der Freien Szene der Bundesstadt Bern. Denn ›AUA‹ ist eben nicht bloß ein Ausdruck für ein im Bereich des Erträglichen liegendes Schmerzempfinden. Für einen Kreis von Interessierten ist ›AUA‹ das gängige Kürzel für eine Veranstaltungsreihe, die seit mehr als 30 Jahren eng mit der Lebensader des Berner Theaterschaffens verbunden ist und jedes Jahr einen bunten Strauß aus dem großen, internationalen Feld des freien Gegenwartstheaters in die...

Ökonomien im Zirkulationsfeld Theaterfestival

Anne Bonfert
Die Theaterwissenschaftlerin Barbara Gronau diagnostiziert im Abgleich mit den Kolonialausstellungen des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die vor allem auf eine Vorführung von Differenz zielten, für die Jetztzeit einen »globalisierte[n] Diskurs des Kuratierens« (Gronau 2015:54). Dieser sorge dafür, »dass auf Tagungen dieselben Aufführungsbeispiele gezeigt« (ebd.) würden, aus denen sich zunehmend ein gemeinsamer ästhetischer Kanon bilde. Gronau konstatiert, das Fachpublikum, bestehend aus Forscher_innen, Kurator_innen und Theatermacher_innen, trage zu dieser Entwicklung bei, indem es sich vor...

What I say is who I am? Anmerkungen zu # 6 – Queer Sells von White on White

Johannes Kup
Wie gelingt es weißen Subjekten, ihre Hegemonie auf den Spielwiesen und Kampffeldern des Globalen immer wieder zu behaupten? Der Berliner Regisseur Johannes Schmit und der Malmöer Schauspieler Iggy Malmborg, die sich als Performanceduo White on White bereits seit einigen Jahren mit Aspekten der Critical-Whiteness-Forschung befassen, stellen sich diese Frage ganz konkret – nämlich in Bezug auf sich selbst: Wie kann ein weißes, männliches Künstlerduo auf dem heutigen Kunst- und Theatermarkt noch bestehen, auf dem diese...

Memory Construction

Serge Honegger
A Group Discussion with Tom Struyf and Geert De Vleesschauwer on Vergeetstuk

Preface to Volume 2

Géraldine Boesch & Beate Hochholdinger-Reiterer
Mit »Spielwiesen des Globalen« liegt der zweite Band der Reihe itw : im dialog – Forschungen zum Gegenwartstheater vor. Das vom Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern (ITW) initiierte Format »itw : im dialog« will die bislang punktuell betriebene nationale und internationale Forschung zum Gegenwartstheater bündeln und neue Forschungsperspektiven eröffnen. Mit wissenschaftlichen Symposien und praxisorientierten Workshops, welche seit 2014 am ITW stattfinden, wird der Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst und interessierter Öffentlichkeit gefördert. Die Bände der...

Einspruch oder Worin besteht die Möglichkeit des Politischen auf dem Theater? Zum Verhältnis von Politik und Theater in der Performance Fight Night von Ontroerend Goed und The Border Project

Frank Max Müller
Die Performance Fight Night, eine Kooperation zwischen der belgischen Gruppe Ontroerend Goed und dem australischen Ensemble The Border Project, versteht sich laut Ankündigungstext als "playful and immersive political exploration [...] thoroughly political, but never explicitly so. [...] By stripping their discourse of identifiable political messages, the show draws attention to the very reasons and motivations that compel voters to vote." (AUAWIRLEBEN 2015) Eine fingierte Spielshow, gegeneinander wetteifernde Kandidat_innen und ein per Knopfdruck abstimmendes Publikum geben...

Vergessen ›in Szene‹ setzen? Überlegungen zu Tom Struyfs Vergeetstuk

Aline Vennemann
"Was in Erinnerung bleiben soll, bedarf der Konsolidierung durch wiederholtes Durchdenken und Durchfühlen desselben Ereignisses." (Welzer 2011:234) Exakt diese Behauptung wird in Vergeetstuk (2014) exemplifiziert. Dort wird nicht nur über Gedächtnislücken und ihre Konsequenzen verhandelt, sondern gezeigt, wie das Gedächtnis arbeitet und wie Erinnerung entsteht. Paradoxerweise greift der belgische Künstler Tom Struyf für die Inszenierung von solchen Prozessen auf Verdrängungsmechanismen und das Krankheitsbild der Amnesie zurück. »A good memory needs to forget«, belehrt uns zu...

Tönerner Ernst – Demokratie als Fiktion

Ellen Koban
Ein Gespräch mit Christophe Meierhans und Friedemann Kreuder (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) zu Some use for your broken clay pots

Visionieren, Kuratieren, Kanonisieren

Beate Hochholdinger-Reiterer & Géraldine Boesch
Podiumsdiskussion mit Barbara Gronau (Universität der Künste Berlin), Johanna-Yasirra Kluhs & Felizitas Kleine (Theaterfestival FAVORITEN), Giovanni Netzer (Origen Festival Cultural), Jasper Walgrave (Pro Helvetia) und Dagmar Walser (Moderation)

Le rendez-vous de l’amitié? Festivals de théâtre et politique du global

Ulf Otto
What might playgrounds of globality look like? How do performances within these fields avoid parading the ›Other‹ and how do they challenge the exoticising gaze? Is it possible to steer clear of the political and economic pitfalls of global exchange whereby artists, curators and audiences are inevitably transformed into buyers and sellers? Mightn’t the notions of globality, symmetry, and the world-as-playground themselves be considered as helping veil the radical contradictions each form of global interaction...

Performative ErMittlung von Meinungen und Positionen auf den Spielwiesen des Globalen. Überlegungen zu Fight Night von Ontroerend Goed und The Border Project

Annika Wehrle
"It has often been said that you can’t have a show without an audience and tonight that is more true than ever. Because tonight we will not only need your eyes and ears but at the center of everything will be your voice." Diese Aufforderung, das szenische Geschehen durch Stimmabgabe mitzulenken, läutet das performative Wortgefecht Fight Night (2013) ein, eine global tourende Koproduktion von Ontroerend Goed und The Border Project. Fünf Kandidat_innen steigen in den...

Das Zürcher Theater Spektakel 1980–2015. Der Mikrokosmos auf der Landiwiese

Myrtha Bonderer, Selina Beghetto & Noemi Schai
Wen es während der letzten zwei Augustwochen auf die Zürcher Landiwiese verschlägt, der betritt eine andere Welt: Riesige Zirkuszelte, kulinarische Düfte aus aller Welt, kleine und große Bühnen, Gaukler_innen und Straßenkünstler_innen und Jahr für Jahr verschiedene Installationen und Bauten empfangen die Besucher_innen des Zürcher Theater Spektakels. »Zürichs fünfte Jahreszeit« (Zürcher Theater Spektakel 1998) ist längst zur sich stets wandelnden und geliebten Tradition geworden. In der Festivalzeit erleben die einen außergewöhnliche Theatermomente, die anderen trinken im...

Le capitalisme comme religion globale. Actes de profanation dans Christophe Meierhans Some use for your broken clay pots

Friedemann Kreuder
Aus der Sicht des italienischen Philosophen Giorgio Agamben in Profanierungen (2005) wurden in der römisch-antiken Gesellschaft diejenigen Dinge als ›heilig‹ oder ›religiös‹ bezeichnet, die auf irgendeine Weise den Göttern gehörten. Sie wurden aus dem freien Gebrauch und dem profanierenden Verkehr der Menschen in eine eigene Sphäre abgesondert. Unter den Vorzeichen des Gesellschaftssystems des globalen Spätkapitalismus stellt sich die Frage nach einer solchen Absonderung neu und anders, da Letztere umfassend und omnipräsent geworden ist. In besagtem...

Einladung zum Widerspruch. Publikumspartizipation in Some use for your broken clay pots von Christophe Meierhans

Simone Niehoff
In der Lecture Performance Some use for your broken clay pots stellt der Schweizer Künstler Christophe Meierhans ein alternatives demokratisches System vor. Seiner Präsentation liegt eine ausgearbeitete Verfassung mit 350 Artikeln zugrunde. Meierhans fordert zur Diskussion seines politischen Entwurfs auf und das Publikum folgt seiner Einladung mit großer Dialogbereitschaft. Die schiere Anzahl der Wortmeldungen wie auch die detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung der Zuschauer_innen mit Meierhans' Verfassung überrascht. Wie gelingt es der Performance, eine solch intensive und...

Missverstehen als produktive Kraft

Géraldine Boesch & Beate Hochholdinger-Reiterer
Ein Gespräch mit Max-Philip Aschenbrenner (Asian Arts Theatre) und Ulf Otto (Universität Hildesheim)

Crossing Borders

Franziska Burger
An Interview with Cristina Galbiati (TricksterP, Novazzano) on Sights

Ein Ausweg aus der ›weißen Komplizenschaft‹? Zur Performance #6 – Queer Sells von White on White

Hanna Voss
Der Terminus ›White on White‹, welcher dem Titel des bekannten Gemäldes von Kasimir Malewitsch (1918) entlehnt ist, bezeichnet hier sowohl die künstlerische Beziehung der beiden Performer Iggy Malmborg aus Malmö und Johannes Schmit aus Berlin als auch deren Performanceserie (vgl. White on White 2015). Während die Radikalität von Malewitschs Gemälde für die Zeitgenossen in der geometrischen Abstraktion ohne Referenz auf eine äußere Wirklichkeit bestand (vgl. anonym 2003:85) – auf der quadratischen Leinwand ist lediglich ein...

Krisenmomente in der ›Guckkastenbühne‹

Hanna Voss
Ein Gespräch mit Benny Claessens zu Hello Useless – For W and Friends

Ein Ding unter vielen. Robbert&Frank/Frank&Robberts Theaterinstallation TO BREAK – The Window of Opportunity

Franziska Burger
Eine Bühne, so karg wie die Prärie im Mittleren Westen der USA. Lediglich ein Hintergrundprospekt ist zu sehen, auf dem ebendiese Landschaft aufgemalt ist. Doch diese suggerierte Einöde trügt, denn auf den zweiten Blick sind neben Cowboys und Indianern auch eine Sphinx, Skulpturen von der Osterinsel und gar fliegende Wale zu entdecken. Das Bühnenbild von TO BREAK – The Window of Opportunity (2014) deutet es bereits an: In dieser Performance ist nichts so, wie es...

Playgrounds with a History. Concepts and Critiques of Global Performance

Barbara Gronau
La contribution questionne l’interrelation entre les concepts de globalité et les formes de performance qui en résultent. Pour débuter, deux formes de performances culturelles des années 1900 seront au centre du questionnement: la réintroduction des jeux olympiques en 1896 par Pierre de Coubertin – comme symbole de l’inter/nationalisme moderne – et les représentations des hégémonies coloniales connues en tant que Berliner Gewerbeschau. Il sera montré comment les relations modernes économiques, sociales et culturelles s’inscrivent dans...

Of Voices and Votes

Beate Hochholdinger-Reiterer & Géraldine Boesch
A Group Discussion with Alexander Devriendt (Ontroerend Goed) on the Performance Fight Night

»Outside of Your Day-to-Day Comfort Zone«

Anne Bonfert & Hanna Voss
An Interview with Ant Hampton on The Thing – An Automatic Workshop in Everyday Disruption

Theaterpublikum – das unbekannte Wesen. Annäherungen an eine vernachlässigte Figur

Doris Kolesch
L’enquête artistique sur le rôle et la fonction du public n’a pas commencé avec l’Art de la Performance dans les années 1960. Tout le 20e siècle a été marqué par l’expérimentation, la transformation et le questionnement de ce qu’est un public et de ce qu’il devrait faire ou ne pas faire. Alors que Bertolt Brecht demandait un nouvel »art de regarder« et qu’Antonin Artaud exigeait de plonger les spectateurs dans un »bain d’électricité psychique où...

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