27 Works

Die besondere Zeit der Therapie «Begehren des Analytikers» und «therapeutischer Akt» in der Sicht Lacans und der Lebensphänomenologie

Rolf Kühn
Die therapeutische Analyse vollzieht sich nicht nur in einer Räumlichkeit diesseits unmittelbarer lebensweltlicher Interessen, sondern vor allem auch in einer besonderen Zeit. Da der Patient oder Analysand das Ende dieses Prozesses bestimmt, handelt es sich um keine chronologische Zeit, sondern um einen plötzlichen «Übergang» (passe). Darin wird jedes Wissen um «Sein» und «Sinn» zugunsten einer nicht mehr ableitbaren «subjektiven Wahrheit» verlassen. Ein solcher Akt der Freisetzung setzt radikal phänomenologisch allerdings die dazu notwendige selbstaffektive Kraft...

Birdly und Virtuelle Realitäten

Michel Zai, Husam Sulliman, Daniel Rüfenacht & Olaf Knellessen
Ein medialer Star der Veranstaltung im Theater der Künste war Birdly. Virtual Reality war ein Renner. Man stand Schlange, um sich mit der 3D-Brille Flügel anzuschnallen und über und durch New York zu fliegen, so wie man das Fliegen aus Träumen kennt. Der Traum vom Fliegen, der Flug als Traum, der Traum als Flug – alles konnte man erleben. Der Traum als Maschine, diese Maschine als Traum gab Anlass zu einer Diskussion der Übertragungsverhältnisse zwischen...

Übertragung «gegen» das Politische: Grenz-Fälle in der institutionellen Praxis der Psychoanalyse

Beatrice Patsalides Hoffmann & Catherine Perret
Der Artikel behandelt Zusammenhänge zwischen individuellen und institutionellen Aspekten der Übertragungsdynamik und spezifischen strukturellen und situationsbedingten Charakteristiken der psychoanalytischen Behandlung von politisch verfolgten und gefolterten Menschen, die in einem Pariser Zentrum (Centre Primo Levi) von einem multidisziplinären Team ambulant betreut werden. Der Begriff des klinischen «Grenz-Falles» wird hier, im Kontext spezifischer, situationsgebundener und das Symptom betreffender Eigenschaften erörtert, die die Analyse wie auch die Institution unter gewissen Umständen an ihre Grenzen bringen können. Darüber hinaus...

Let’s map the gap viz.psz-jubilaeum.ch

Tamara Lewin, Helena Hermann & Fidel Thomet
Für die Jubiläumsveranstaltung des PSZ am 23. September 2017 wurde die App “Let’s map the gap” entwickelt, vor Ort benutzt und als interaktive Datenvisualisierung präsentiert. Alle Interessierten waren eingeladen unter einem Pseudonym Kurzstatements zur Psychoanalyse oder zum PSZ online zu veröffentlichen, in Form einer prägnanten persönlichen Meinung, Vorstellung oder Erfahrung, sowie die Posts anderer Benutzer*innen zu bewerten. Anhand eines Algorithmus wurden die Posts kontinuierlich verlinkt, geclustered und in einer dynamisch wachsenden Visualisierung abgebildet, in der...

ACA – The Analytic Cocktail Association. 
Drink the Analyst (2017)

Anne Käthi Wehrli & Husam Suliman
Die Analytic Cocktail Association lud am Jubiläumsfest PSZ reloaded 40/The Missing Link 10; Passagen Übertragungen Medialitäten am 23. September 2017 mit folgendem Einladungstext ein, sich an ihrer Bar auf verschiedene Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker in Drinkform einzulassen: «Einnehmen, verdauen, geniessen, schauen, was passiert, wenn möglich. Unser Cocktail-Menü umfasst eine Vielzahl unterschiedlichster Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker, sowie weitere Überraschungen, über die an dieser Stelle noch nichts verraten werden soll. Konsum ist nie gemütlich, und ab einem gewissen Punkt...

Übertragungsstörungen. Psychoanalyse als Tontechnik

Johannes Binotto
Ausgehend von einer Kinderanalyse Françoise Doltos, sowie Freuds Bezugnahmen auf technisches Gerät in seinen Texten zur analytischen Praxis schlägt dieser Aufsatz vor, den zentralen Begriff der Übertragung auch in einem medientechnischen Sinn zu verstehen: Zwischen AnalytikerInnen und AnalysantInnen sind unweigerlich immer auch Medienapparate zwischengeschaltet, welche Kommunikation zugleich ermöglichen und stören. Tatsächlich liegt aber gerade in solchen Übertragungsstörungen das eigentliche psychoanalytische Potential medialer Vermittlung. Wie sich anhand des Gebrauchs von Ton und Stimme in der Analyse,...

Schwere Beats und schwere Jungs Therapeutische Erreichbarkeit mittels Triple-R bei schweren Adoleszenzstörungen in der stationären Psychiatrie

Andreas Wepfer
Wie sind Jugendliche mit schweren Adoleszenz-störungen in der stationären Psychiatrie therapeutisch trotzdem zu erreichen, was kann multi-mediale Technologie hierzu beitragen und was heisst das für das Übertragungsgeschehen einer Behandlung? Der Artikel zeigt auf, wie mit Hilfe von Triple-R, einem musiktherapeutischen Verfahren, die Kontaktaufnahme zu jugendlicher Klientel auch unter schwierigen Umständen gelingen kann und so ein therapeutischer Prozess überhaupt möglich wird.

Was macht Christian Kracht?

Fabian Ludwig
Der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht zieht die Öffentlichkeit auf rätselhafte Weise in den Bann und sorgt für heftige Kontroversen. Seine Wirkung beruht auf der Art, wie er gesellschaftlich verankerte Symptome aufgreift: Er führt den lust- und schmerzvollen Überrest vor, der vom Symptom bleibt, wenn es seinen Sinn und Zweck verloren hat. Diesen Effekt erzielt sein Roman Imperium, indem er die bedeutungsschweren Symptome vergangener Tage in ein heute unangemessen wirkendes, unbeschwertes Medium überträgt. Damit versetzt Kracht...

«Der Ausdruck, dass da nichts ist auszudrücken, nichts womit auszudrücken, kein Verlangen auszudrücken, zusammen mit dem Zwang auszudrücken.» Beckett, Übertragung pur.

Hayat Erdogan & Olaf Knellessen
Stendhal sagte, dass die beste Musik diejenige sei, die nach ein paar Takten unhörbar würde. Beckett hörte ca. 1960 auf zu schreiben und begann, Filme zu machen. In Not I wird nur der sich bewegende Mund gezeigt, die Lippen schweigen. Wenn Bartleby noch meinte I would prefer not to, zeigt Beckett Not und das ist ein Knall.

Werben jenseits der Illusion

Fabian Ludwig
Mit ihren neuen Werbespots zeigte das Versandhaus Galaxus diesen Sommer, dass nicht nur mit der Illusion, sondern auch mit dem Durchqueren derselben geworben werden kann. Was dieser Schritt mit den Produkten macht, was wir mit den psychoanalytischen Begriffen machen, und dass wir uns auch in der Enttäuschung täuschen, davon handelt dieser kurze Text.

Film – Transformation

Hannes König
Winnicotts Theorie folgend können wir uns nur regressiv auf einen Film einlassen und mit seinen Figuren identifizieren, wenn er als unser subjektives Objekt fungiert. Um zu so einem Objekt zu werden, muss ein Film bestimmte Strukturen zur Verfügung stellen, damit das Publikum Symbolisierungsprozesse initiieren und schliesslich emotional anknüpfen kann. Für die Zusammen-setzung solcher filmischen Strukturen werden zwei Mechanismen vorgeschlagen: Bei der narrativen Transformation knüpft unsere Symbolisierung an inhaltliche Konflikt-konstellationen der Handlung an, bei der formalen...

Vom “Whole Earth Catalog” zum “Whole Waste Catalog”

Raphael Perret
Der Vortrag befasst sich mit einer App für illegale, informelle Recycler in Delhi, Indien. Er zeigt auf, wie durch die sich rasant ausweitende Verbreitung von Smartphones, das emanzipatorische Potenzial von elektronischen Medien für Personen nutzbar wird, welche sich um die von der Informationsgesellschaft verursachten Abfälle kümmern.Sie sehen hier den Vortrag, den Raphael Perret an der Veranstaltung gehalten hat.

Projektionen

François Chalet, Renée Ener & Matthias Vetter
Die beiden Künstler Matthias Vetter und François Chalet haben für die Veranstaltung Passagen Übertragungen Medialitäten eine Installation mit dem Titel Projektionen realisiert.Das Essay von Renée Ener lässt ahnen, dass es sich bei Projektionen nicht nur um ein pathologisches Symptom handelt, sondern um einen immer auch medialen und sich neu medialisierenden Weltentwurf.

Selfies and Dronies. Zu Chancen und Gefährdungen der Dynamisierung des Selbst in virtuellen Welten

Rose Ehemann
Die Phänomene Selfies und Dronies werden einer genaueren Betrachtung unterzogen und immanente Chancen und Gefährdungen aufgezeigt. Die für die Identitätsentwicklung massgebliche Spiegelungsfunktion, welche diesen egotechnischen Medien innewohnen, kann als eine wertvolle Errungenschaft für individuelle Erkenntnisprozesse gewertet werden. Als Kehrseite der Medaille können Suchtverhalten und andere psychiatrische Erkrankungen begünstigt werden. Aber auch andere Formen von virtuellen Selbstprojektionen und Neuverkörperlichungen in Form von Avataren und Cyborgs können, begleitet von sorgfältiger Handhabung in Therapie und Kunsttherapie, eingesetzt werden,...

Was soll das Ganze eigentlich? Diskussion zum All-Over der Übertragung

Rony Weissberg & Olaf Knellessen
Linien legen, Schwerpunkte setzen, Füsse ausstrecken, taumeln, streiten und anstossen – Assoziationen zum Thema und zum Verlauf des Tages, das PSZ in Aktion.Moderation: Rony Weissberg und Olaf Knellessen

Positionierungen zwischen Trauma und Trieb: 
“Terry Jo Wanted” (2016)

Insa Härtel
Ausgehend von dem Film “Terry Jo Wanted” (Katharina Jabs, 2016) untersucht dieser Beitrag das Verhältnis von Trieb/Trauma. Der Film umkreist vorstellbare Positionierungen angesichts eines verstörenden Geschehens. Er nimmt Bezug auf ein Hörspiel von Max Bense (1968), das sich mit dem dokumentierten Fall eines aus dem Meer geborgenen Mädchens befasst: Dieses spricht bewusstlos, woraus sich der Hergang eines Mordfalls ergibt. “Terry Jo Wanted” inszeniert Schilderungen nach ZeugInnen-Art, suggestive (Fantasie-)Reisen, rätselhafte Spielszenen oder ein vermeintliches Eintauchen in...

Telepathie

Peter Schneider
Schon kurze Zeit, nachdem Freud die «Übertragung» als ein rätselhaftes Phänomen in der psychoanalytischen Therapie aufgefallen und sie damit zu einem ihrer «epistemologischen Gegenstände» geworden ist, wird sie zu einem «technischen Objekt» (Rheinberger). Dies geschieht durch eine Konzeptualisierung der Übertragung, die sie vom Widerstand gegen, in ein Instrument für die Psychoanalyse verwandelt. Dieser Prozess des Wechsels vom epistemischen zum technischen Objekt wiederholt sich im Laufe der Geschichte immer wieder: Neue Übertragungsformen tauchen zunächst als Problem...

Der Weg ist das Ziel. Zur Theorie und Metatheorie der psychoanalytischen Technik

Arno Von Blarer & Irene Brogle
Ausgangspunkt ist die in den psychoanalytischen Veröffentlichungen immer breiter vertretene »basic model technique«; diese entspricht einer normativen Kodifizierung des Verhaltens des Psychoanalytikers sowie der gesamten »psychoanalytischen Situation«.Diesem Modell der normativen Kodifizierung und der von ihr abweichenden »Parameter« wird ein psychodynamisches Konzept gegenübergestellt, welches der tatsächlichen Praxis besser gerecht zu werden verspricht. Es orientiert sich am psychoanalytischen Prozess und soll nicht normativ, sondern psychodynamisch aufgeschlüsselt werden.In einem weiteren Denkschritt, zu welchem wir uns auf das Gebiet...

Editorial

Olaf Knellessen
Print- und Online-Ausgabe dieser Nummer des Journal für Psychoanalyse stehen auch von der Form her im Zeichen des Themas von Übertragung und Medialiät. So spielt die Online-Ausgabe mit den Verhältnissen von Text, Bild, Film und Ton, zeigt aber auch wie Filme eine eigene Textur bekommen können und sich in ihrer Form dem Thema nicht nur anpassen, sondern es ihrerseits auch gestalten und prägen.

Editorial

Gregor Busslinger, Markus Weilenmann, Emilio Modena & Thomas Merki
Liebe LeserInnen,Sie halten ein altes und zugleich neues Produkt in den Händen. Bald nach der Neugründung des Psychoanalytischen Seminars Zürich (PSZ) 1977 hat sich eine Gruppe konstituiert, die eine Zeitschrift machen wollte. Die Teilnehmerversammlung (TV) gab grünes Licht, und so entstand die Hauszeitschrift »Journal«, die seitdem mehr oder weniger kontinuierlich zwei Mal jährlich erschien. Sie wurde in erster Linie von den TeilnehmerInnen selbst gelesen (früher an die 700, heute noch an die 500), so wie...

Laudatio für Dr. Eva Holling «Übertragung im Theater. Theorie und Praxis.» Gewinnerin des Missing Link-Preises des PSZ

Hayat Erdogan
Theater und Übertragung stehen in vielfältiger Verbindung zueinander. Nicht nur, dass es Übertragung im Theater gibt – wie es im Titel des preisgekrönten Buches von Eva Holling heisst –, insofern beide von einer gemeinsamen Grundstruktur begehrender Subjekte geprägt sind, vielmehr ist Theater auch Übertragung und weitet sich in dieser auch ständig aus, so wie umgekehrt Übertragung ständige Neu-Inszenierung von Begehren wird. Diese Verdichtung und ihre ständige Verschiebung werden auf kenntnisreiche Weise über verschiedene Formen und...

Registration Year

  • 2016
    1
  • 2018
    26

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  • Workflow
    27

Data Centers

  • HOPE: Journal für Psychoanalyse
    27